4 Gründe, warum du als Unternehmer deine Ecken und Kanten hervorheben solltest

4 Gründe, warum du als Unternehmer deine Ecken und Kanten hervorheben solltest

Vor ein paar Wochen hatte ich Geburtstag und eine Gratulantin schrieb etwas, dass mich noch ein Weile verfolge.

Angenehm war es, aber es verfolgte mich.

Sie schrieb: „Vielen Dank für deine authentische, ehrliche und nahbare Art!“

Mein erster Gedanke war: „Wie ungewöhnlich, dass in eine Geburtstagsnachricht zu schreiben…“ und ich überlegte, was ich wohl in letzter Zeit gemacht haben könnte und worauf sie sich bezog. Schlussendlich ist mir dann mal wieder bewusst geworden, wie wenig ich darüber nachdenke, wie ich mich im Netz verhalte.

Ich bin so, wie ich bin.

Das war aber nicht immer so.

2013, als ich die ersten Schritte als Teilselbständiger machte, war ich angepasster. Ich hatte Schiss, anzuecken und wollte mich nicht so gerne zeigen. Ich wollte keine schlechte Kritik bekommen. Schon gar keine, die im Netz nachzulesen ist oder sogar unter meinen Artikeln steht.

Rückblickend glaube ich, dass das ein nachvollziehbares Verhalten war. Es gehört seinerzeit zu mir.

Hilfreich war es aber nicht.

Im Gegenteil.

Lass mich dir zeigen, welche Vorteile es hat, wenn du dich mit deiner ganzen Person zeigst und dich – Achtung, ein wenig Marketing-Bullshit-Bingo – authentisch präsentierst.

Vorher aber noch eine kleine Exkursion in meinen Schädel und was ich mit „Ecken und Kanten“ überhaupt meine…und was nicht.

Was meine ich nicht mit „Ecken und Kanten“?

Authentizität ist ungleich Rücksichtslosigkeit. Das sei an dieser Stelle gesagt!

Vor einigen Monaten war ein Teilnehmer in einer meiner Facebook-Gruppen unterwegs, der gerne raushängen ließ, wie viel Ahnung er auf seinem Gebiet hatte. Auf meine Bitte, etwas weniger „von oben herab“ zu formulieren, kam zurück: „Ich weiß, dass ich eine sehr direkte Art habe. Aber meine Klienten schätzen mein Feedback und können so etwas verändern!“.

Die Ermahnung schien für einige Tage Wirkung zu zeigen, aber in anderen Gruppen war er der Alte. Nach einem Kommentar von mir und anderen Gruppenmitgliedern, ging er dann auch freiwillig aus der Gruppe raus.

Weitestgehend sind das auch nur „Ecken und Kanten“, die der Teilnehmer da zeigte, aber die meine ich nicht. Sich selbst über andere zu heben und in Kauf zu nehmen, dass sie sich dadurch schlecht fühlen, ist keine gute Sache.

Aber es kann immer mal passieren. Es menschelt halt im Netz.

Wenn aber, wie in diesem konkreten Fall, die Betroffenen die Rückmeldung geben, dass sie sich nicht gut fühlen, dann läuft irgendetwas schief. Vor allem dann, wenn neben einer vernichtenden und wenig wertvollen Kritik keine andere Reaktion kommt.

Das ist ein Beispiel dafür, dass mit den eigenen „Ecken und Kanten“ nicht alles zu rechtfertigen ist.

Ich meine eine andere Art davon.

Mir geht es hier eher um die eigenen Werte und Vorstellung in Bezug auf die Welt und die Sichtweise als Unternehmer.

Aber auch die Eigenarten, die Macken und die kleinen Spleens, die wir alle haben. Lass mich das in den nächsten Punkten etwas mit Leben füllen.

1. Du schaffst Kontraste und hebst dich besser ab

Stell dir vor, du blickst auf eine weiße Leinwand. Auf diese Leinwand sind zwei Punkte gemalt worden. Der eine Punkt hat die Farbe einer Eierschale, der andere Punkt ist in knackigem Rot gehalten.

Was glaubst du, welcher der Punkte dir am ehesten ins Auge sticht?

Genau! Der rote Punkt.

Das liegt nicht daran, dass der rote Punkt von der Qualität her besser oder schlechter als der andere ist.

Es liegt einfach daran, dass er im Vergleich zum Hintergrund kontrastreicher ist.

Genau so verhält es sich auch auf der großen Leinwand des Online-Business. Auf dieser großen Leinwand buhlen viele hunderte kleiner Punkte um die Aufmerksamkeit des Betrachters.

Deswegen solltest du dich mit deinem Auftreten auch von den anderen abheben. Neben ausgezeichneten Services, empfehlenswerten Produkten und guten Inhalten, machst du das durch deine Persönlichkeit.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Historie.

Zu Beginn der Flüchtlingskrise wurde ein syrischer Junge an den türkischen Strand gespült. Er lag dort wie hingeworfen. Wie ein achtlos entsorgtes Stück Treibgut.

Zu dieser Zeit war ich gerade Vater geworden und fühlte einen bis dahin nie da gewesenen Schmerz. Dieser Schmerz musste raus.

Also habe ich mich vor die Kamera gestellt und ein Video gemacht.

Das teilte ich über sämtliche Kanäle, die mir zur Verfügung standen und es hatte nichts mit meinem Unternehmen zu tun. In diesem Moment kam der Mensch durch.

Ähnlich handhabt das auch eine Kollege aus dem Online-Bereich, Felix Beilharz. Er ist zwar „eigentlich“ als Social-Media-Experte unterwegs, aber hält auch in Facebook mit seiner eigenen Meinung nicht hinter’m Berg.

Da er eine Menge Menschen erreicht, ist in seinen Posts immer eine Menge los und das schärft nach außen hin auch seine Persönlichkeit, bzw. sie wird schnell erkennbar.

Es müssen nicht immer gesellschaftspolitische Themen sein. Auch ein mal nicht ganz so „angepasster“ Artikel im Blog kann für Kontrast sorgen. Stellvertretend für eine Menge guter Beiträge dieser Art, möchte ich zwei hervorheben.

Zum einen Christina Emmers provokante Frage, ob „man denn noch Coach ist oder schon Geld verdient“ und zum anderen Antje Müllers Abrechnung als Ernährungsexpertin mit „Diätpülverchen und Co.“.

Ab und an solche Ausflüge können dir und deiner Sichtbarkeit nach außen gut tun. Ich würde mein Umwelt aber nicht nur mit derartigen Dingen drangsalieren, sonst wird man auch gerne mal als Nörgler dargestellt.

Aber ein wenig würzen darfst du dein Marketing damit schon. Und wenn du damit sogar noch etwas Gutes tun kannst, dann passt es ja.

2. Du wirst als Mensch wahrgenommen

Einhergehend mit der Sichtbarkeit nach außen wird deine Person sichtbar.

Beides gehört zusammen.

Du signalisierst deine Werte, deine Normen und deine moralischen Vorstellungen. Nicht nur den Markt, sondern das gesamte Leben betreffend. Das kann dafür sorgen, dass sich Menschen von dir abwenden, aber das ist eigentlich auch nur gut. (Dazu komme ich aber dann erst im vierten Punkt)

Aus Marketinggründen bekommst du dann wieder die Vorteile ab, denn Menschen verbinden sich am liebsten mit anderen Menschen. Während sich eine Menge Leute von dir abwenden, wirst du auch erfahren, dass dir eine mindestens genau so große Zahl an Menschen dir zuwenden. Vermutlich ist diese Zahl sogar um ein Vielfaches größer, aber die negativen Kommentare verzerren die Realtität.

Diese Sichtbarkeit als Mensch ist die Grundlage für Vertrauen und das wiederum ist die Grundlage für eine mögliche Käufer-Verkäufer-Beziehung.

Wenn du dich also als der Mensch zeigst, der du bist, bringt es also auch unternehmerische Vorteile mit sich.

3. Du brauchst deine Ressourcen für die Arbeit, nicht für die Schauspielerei

Ein weiterer Vorteil ist, dass du dir nur wenig bis gar keine Gedanken machen musst, wie du wohl gerade rüberkommst.

Wenn du einfach ehrlich und offen deinen Weg gehst und nicht ständig von außen auf dich selber drauf schaust, dann hast du genügend Energie für deine Arbeit übrig.

Da gehört sie auch hin.

Ist total plausibel und trotzdem erlebe ich immer wieder Leute, die Sorge haben, „nicht gut anzukommen“ und stattdessen lieber schauspielern. Der Begriff „fake it, ’til you make it“ ist da einfach fehl am Platze.

Eine Person zu spielen, die man eigentlich nicht ist, klappt auf Dauer einfach nicht.

Und es ist auch überhaupt nicht schlimm, wenn du durch deine Art Menschen um dich herum wieder abstößt.

4. Die richtigen Kunden finden den Weg zu dir

Durch das offene Zeigen (nicht zur Schau stellen) deiner Werte, Normen und moralischen Vorstellungen, wirst du genau die Menschen anziehen, die diese Einstellungen gut finden und sogar suchen.

Wenn du diese Einstellungen in deinem Content, in Social Media und Co. konstant durchziehst, dann hat das eine sehr mächtige Filterfunktion. Das mag am Anfang einer Karriere vielleicht nicht danach aussehen, weil die Kohle reinkommen muss, aber es lässt sich viel entspannter arbeiten, wenn die Chemie mit den Klienten stimmt.

Und mit persönlich gefärbten Inhalten trennt sich die Spreu vom Weizen sehr schnell.

Schön und gut, aber was sind die ersten Schritte?!

Noch drei Umsetzungstipps für deine Ecken und Kanten

1. Probiere dich im Kleinen aus: Direkt mit einem dicken „Rant“ über irgendetwas zu starten ist mit Sicherheit nicht zielführend. Seine Ecken und Kanten zu kultivieren bedeutet auch nicht, alles und jedem vors Bein zu pinkeln. Überlege dir lieber, was deine Persönlichkeit an Ecken und Kanten hergibt. Vielleicht kannst du auch mal gute Freunde, Bekannte oder Netzwerkpartner fragen, was dich in deren Augen besonders macht. Wenn du es weißt, dann zeige das gerne. Am einfachsten ist es, wenn du gar nicht mehr überlegen musst, wie du dich verhältst. Aber das ist schon Level 2 und braucht ein wenig Übung im „so sein, wie man ist“. Es lässt sich aber auch nicht vermeiden, weil es sich irgendwann einfach total stimmig anfühlt, wie man sich zeigt. Freu dich drauf. 😉

2. Rechne mit Gegenwind: Klar, kommen auch ein paar Nörgler. Sobald du dich mit deiner Person zeigst, wirst du auch ein Stück angreifbarer. Das ist halt die Kehrseite der Medaille. Es wird auch von jetzt an Feedback geben, dass kritisch ist, weil du nicht mehr den Weg des Geringsten Widerstandes gehst. Wenn du mehr davon bekommst, mach es nicht an dir als Person fest, sondern daran, dass du nach außen hin mehr polarisierst. Wärest du wieder unter’m Radar, dann wären auch die Nörgler weg – aber eben auch die Vorteile. Überlege, was dir langfristig wichtiger ist.

3. Beschäftige dich mit denen, die nicht mehr überlegen müssen: Es gibt eine Menge Solounternehmer da draußen, die es mit dem Personal Branding echt ernst nehmen und echte „Typen“ sind: Folge ihnen. Schau dir an, was sie machen und vor allem, wie sie auch mit der Kritik umgehen, die dann kommen kann.

Wie liest sich das?!

Vielleicht liest sich das ein wenig defizitär, weil ich so viel von „möglicher Kritik“ spreche. Aber das mache ich nur, damit du auch echt nicht überliest, dass es eben auch diese Moment gibt. 😉

Rückblickend auf meine bisherige Unternehmer-Karriere gibt es nur wenige Dinge, die ich heute anders machen würde. Das ich recht lange gebraucht habe, um mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin, gehört aber dazu.

Wenn du immer mit dem Strom schwimmst, dich anpasst und nie den Mund aufmachst, dann führst du ein ruhiges Leben. Vielleicht hast du als Unternehmer auch ein solides Einkommen, aber der nächste Sprung nach oben wird so sehr schwer.

Besser wird es sein, wenn du in einiger Zeit nicht mal mehr darüber nachdenken musst, wie du dich verhältst. Dann kommt irgendwann ein Geburtstagsgruß und jemand bedankt sich für deine Art.

Das wird gut.

Schreib mir jetzt deine Gedanken dazu in die Kommentare und lass uns etwas plaudern.

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6 Kommentare

  • Super cooler Artikel, Gordon! Ich bin auch noch dabei für mich raus zu finden, wie ich mehr ICH sein kann als Unternehmerin, wie ich mehr von mir zeigen (gerade auch auf Social Media und den Leuten auf meiner E-Mail-Liste) kann, ohne dass es zu privat wird. Gefühlt ist das ne Gratwanderung, vielleicht aber auch nur in meinem Kopf. Wer weiß... ;-)

    Liebe Grüße
    Melanie
  • Hey Melanie,

    es ist fast immer nur ein Ding im Kopf. Ich habe bei der Frage nach der richtigen Dosierung immer meine Oma im Kopf. Meiner Oma kann ich eine Menge erzählen, aber es gibt doch auch viele Dinge, die sie nichts angeht. ;)
    Das war für mich anfangs immer der Gradmesser. Hilft das? ;)

    Beste Grüße,
    Gordon
  • Der Begriff der Authentizität ist im "Marketing Bullshit-Bingo", wie Du es so treffend nennst, etwas schal geworden. Dennoch habe ich es nach anfänglichem Zögern gewagt, mich als "Expertin für authentische Kommunikation" zu bezeichnen. Ich ermutige auch Menschen dazu, Ecken, Kanten und Stacheln zu zeigen und sogar ihre Schattenseiten nicht zur Gänze zu verstecken. Das macht glaubwürdig und kann - beim richtigen "Tribe" - echtes Vertrauen aufbauen. Die immerwährende Hochglanzfassade oder das salbungsvolle Weichspüler-Getue nimmt man doch ohnehin niemandem ab. Und das Schauspielern ist 1. ungeheuer anstrengend und 2. bleibt es beim Gegenüber nie unbemerkt. Wo Du unbedingt recht hast ist, dass Authentizität und Respekt vor den Mitmenschen einander keineswegs ausschließen. Das wird gerne verwechselt: authentisch sein bedeutet nicht, jedem seine momentane Übellaunigkeit zuzumuten. Ein wenig mehr "Schärfe" hingegen, würde vielen gut zu Gesicht stehen.
  • Hallo Veronika,

    vielen Dank für dein Feedback und deine Ergänzungen. Ich denke, da sehen wir die Welt da draußen ähnlich. Was gibst du denn Leuten als Tipp mit auf den Weg, wenn sie sich nicht trauen, authentisch zu sein?

    Beste Grüße,
    Gordon

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